FT 25.04.2016

ICE-Ausbau | CSU stellt sich gegen eine Ostumfahrung

Die Bamberger CSU und die Christsozialen des Landkreises waren sich selten so einig wie derzeit bei der Frage, welche Variante des ICE-Ausbaus für Bamberg die richtige sei.
Dies wurde am Wochenende deutlich, als sich in großer Runde die CSU-Stadträte, die Bürgermeister von Strullendorf, Kemmern und Litzendorf zusammen mit dem Bundestagsabgeordneten und Staatssekretär Thomas Silberhorn sowie dem Landrat Johann Kalb zu einer Sitzung zusammenfanden.
Anlass war der vorgesehene Bahnausbau durch Bamberg im Rahmen des Bundesverkehrswegeplans 2030. Dabei geht es um eine zweigleisige Neubaustrecke, die parallel zur Autobahn A 73 östlich an Bamberg vorbeigeführt werden soll.
Im Anschluss wurden Mitglieder für langjährige Mitgliedschaft geehrt. Zwar ist diese Ostumfahrung noch keine beschlossene Sache. "Allerdings", so betonte Silberhorn im Anschluss an das Gespräch gegenüber der Lokalredaktion, "ist es jetzt absolut dringend notwendig, dass sich Bamberg endlich positioniert. Wir, die Stadt- und Landkreis-CSU, haben dies getan, und uns geschlossen gegen eine Ostumfahrung ausgesprochen."
Die Nachteile einer solchen Trasse wären für Bamberg aus Sicht der CSU zu groß. So würde nicht nur wertvoller Wald geopfert, sondern auch der für die Stadt unerlässliche ICE-Halt stünde auf dem Spiel. Denn wenn einmal die Fernverkehrszüge um Bamberg herumgeleitetet würden und die Bahn dadurch einige Minuten Zeit einspare, wäre ein ICE-Halt in der Weltkulturerbestadt keine politische Entscheidung mehr.
Ferner sieht der Staatssekretär mit einer Ostumfahrung den Lärmschutz in Gefahr. Denn dieser würde nur errichtet, wenn im Bestand ausgebaut werde.


"Historische Stadtratssitzung"
Auch der CSU-Fraktionsvorsitzende Helmut Müller warnte vor den gravierenden Folgen der Ostumfahrung: "Vor uns liegt eine historische Stadtratsitzung. Wir dürfen nicht den Fehler machen wie Bayreuth, die es versäumt haben, vor 100 Jahren den Bahnanschluss zu errichten. Die leiden noch heute darunter."
Zudem gefährde, wie Müller weiter ausführte, eine rund 70 Meter breite Trasse mitten durch den Wald Bambergs wichtigstes Lebensmittel: das Trinkwasser. Ganz zu schweigen von der ungeheuerlichen Vernichtung eines Naherholungsgebietes. "Die Ostumfahrung ist ein Frevel für die Natur", wetterte er.
Zudem könne ein für die Stadt Bamberg ebenso wichtiger zusätzlicher S-Bahn-Halt im Süden der Stadt nur auf der Bestandstrecke verwirklicht werden. Und diesen zusätzlichen Halt brauche man für die Entwicklung des Muna-Geländes als Gewerbegebiet ebenso wie für die Besucher der Brose Arena.
Landrat Johann Kalb unterstrich, dass er es nicht hinnehmen werde, dass der Lärm von Bamberg aus in seine Gemeinden verschoben werde. "Ich werde mich hier mit aller Macht schützend vor meine Kommunen stellen", sagte er.
Darüber hinaus sei es kontraproduktiv, in Hirschaid mit viel Aufwand die Trinkwasserversorgung - auch für Bamberg - zu sichern, wenn sich auf der anderen Seite die Stadt selbst mit der Bewilligung einer Ostumfahrung das Wasser abgrabe.
Und Bürgermeister und CSU-Kreisvorsitzender Christian Lange resümierte: "Jetzt liegt es an uns, wir müssen endlich entscheiden, ansonsten wird für uns entschieden und wir müssen mit den schlimmen Folgen leben." Bestärkt wurde er in dieser Meinung vom Fraktionsvorsitzenden der CSU-Land, Wolfgang Möhrlein.
Demnach wäre die schlechteste Entscheidung, keine Entscheidung zu treffen. Ferner dürfe man in der Stadt nicht weiter auf Zeit spielen, denn das könnte beängstigende Folgen haben.